| | Textkladden-Kolumne Die etwas andere Besprechung |
Heute: Tags auf einer Lichtung besprochen von Sophie Vomhofe (Gewidmet einer Leserin, deren tiefes Verständnis für Lyrik mich anrührte. Annette von Drosteknüllsdoch) Liegst du auf einer Lichtung brach, Denk' nur nicht über Dichtung nach! Die Wolken tummeln sich im Licht Und schummeln sich in dein Gedicht. Gar grausig wird's, man sieht es hier; Da wird der Vers zum Ungetier. Dem Reim ist jedes Schütteln recht, bekommt der Dichtung aber schlecht. Nicht dicht wird's, Eher schlicht wird's. Schlaf lieber ein auf deiner Lichtung. So kommt kein Mief in deine Dichtung. Werte Leserschaft!
Ein Werk, wie es mir hier schon lange wünsche. Der von Lyrikern hoch geschätze Blockreim in ästhetischer Harmonie mit einer Botschaft, die unter die Haut geht und sehr nachdenklich stimmt.
Begeben wir uns auf eine kleine Reise durch dieses bemerkenswerte Gedicht, um zu ergründen, wie es der Verfasserin gelingen konnte, ihre Gedanken in einer Weise zu transportieren, die an den Stil und die Kunstfertigkeit großer, klassischer Meister wie Heinz Erhardt erinnert, um nur einen zu nennen, der stolz gewesen wäre, hätte er dieses Werk sein Eigen nennen können. Ich bitte, besonderes Augenmerk auf die Metaphorik zu richten, die ich nur selten in dieser beeindruckenden Ausführung lesen dürfte ...
"Liegst du auf einer Lichtung brach,"
Gleich zu Beginn lässt die Verfasserin ein Bild vor dem geistigen Auge entstehen, das den geneigten Leser zwischen furchtsamem Wegschauen und voyeuristischem Erkunden hin- und herreißt. Drosteknüllsdoch wendet sich in direkter Weise an all jene, die gescheitert sind, die den Anforderungen des Lebens nicht gewachsen sind und nun brachliegen. Der Acker ihres Lebens lässt sie keinen Ertrag mehr einbringen, denn wer nicht sät, der nicht erntet. Aber halt! Bei näherem Hinsehen erschließt sich etwas, das die Autorin in geschickter Weise zu implementieren verstanden hat. Sie führt vom Bild des totgeweihten Ackers weg und hin zur Helligkeit einer Lichtung. Sinnbild für die Hoffnung, die noch in der Tiefe des dunklen Bodens keimen könnte, hätte das Licht genug Kraft, den Keim zu erreichen.
"Denk' nur nicht über Dichtung nach! Die Wolken tummeln sich im Licht"
Hier bedient sich Drosteknüllssdoch eines Kunstgriffs, der in Fachkriesen als umstritten gilt, aber wer wollte ihr den experimentellen Mut absprechen, das Risiko einzugehen, missverstanden zu werden? Wir wissen von ihr, dass sie sich gern in die Grauzone der lyrischen Askese begibt, die das große Wort nicht vermissen lässt. Aber zurück zum Kunstgriff: Die Sprache erfährt Erniedrigung, um sich schon in der nächsten Zeile in höchste lyrische Sphären zu erheben. Daraus ergibt sich ein etwas nebulöses Bild, das ein genaues Analysieren fordert, um ein Begreifen überhaupt möglich zu machen. Dem hier brachliegenden, aber noch nicht ganz hoffnungslosen Menschen wird davon abgeraten, sein Leben in erinnernder Weise zu verdichten, weil dieser Kompression die Leichtigkeit seines früheren Seins zum Opfer fallen würde. Exzellent, diese Warnung mit Hilfe der Wolkenzeile zu übermitteln, deren Verspieltheit nichts von dem Schrecken ahnen lässt, der diesen Zeilen tatsächlich innewohnt.
"Und schummeln sich in dein Gedicht. Gar grausig wird's, man sieht es hier; Da wird der Vers zum Ungetier."
Drosteknüllsdoch nutzt die Metaphorik in gewohnt sensitiver Weise, um den Leser behutsam an eine Wahrheit heranzuführen, die ihn überfordern könnte, würde er sie unverschlüsselt erfahren. Sie ist sich ihrer schreiberischen Verantworung vollauf bewusst und führt die Wahrheitssuchenden langsam an eine alles verändernde Erkenntnis heran, indem sie das Leben nun als Gedicht darstellt. Dieses Leben ist von Betrug gezeichnet. Er ist das Ungetier, das den Vers (= Harmonie/Glück/Zufriedenheit) frisst und das Grauen eines lieblosen Daseins ahnen lässt.
"Dem Reim ist jedes Schütteln recht, bekommt der Dichtung aber schlecht. Nicht dicht wird's, Eher schlicht wird's."
Hier steht der "Reim" für die begehrte Kontinuität einer Lebensführung, die in ihrer Gleichmäßigkeit Sicherheit fühlen lässt.Sie wird von äußeren Umständen "geschüttelt" und erschüttert,auf die der Mensch keinen Einfluss hat. Die Qualität des emotionalen Erlebens verschlechtert sich, so dass sich ein späteres Erinnern auf ein "schlichtes" Niveau reduziert, das dem Menschen vor Augen führt, sein Leben verschwendet zu haben. Er muss sich nun der Tatsache stellen, nichts bewegt zu haben. Nicht einmal sich selbst. Eine Essenz, wie sie bitterer nicht sein könnte.
"Schlaf lieber ein auf deiner Lichtung. So kommt kein Mief in deine Dichtung."
Mit diesen beiden letzten Zeilen entlässt uns Drosteknüllsdoch in die Ungewissheit, den Schlaf als Tod zu verstehen, der ins Licht führt, oder ist es ein Apell an den menschlichen Drang, in der Ruhe die Kraft zu suchen? Wir wissen es nicht, können aber sagen, dass sich aus der letzten Zeile eine neue Hinwendung zu einem besseren Sein ergibt, die dem Gestank eines verwirkten Lebens entgegenstreben soll, aber es wird auch die These vertreten, dies sei die Verbildlichung des ewigen Kampfes zwischen dem Denken und den existenziellen Bedürfnissen des Menschen, die einer Triebhaftigkeit unterliegen, die er nicht zu beherrschen in der Lage ist. Ein Teufelskreis....
Sophie Vomhofe (desl, 11.09.02) ----------------------------------------------------------- Dazu erreichte uns die Meinung eines Lesers, welche wir uns vorbehalten haben etwas zu kürzen, da einige nicht jugendfreie Details erwähnt wurden: Über Drosteknüllsdoch Gedichte Erst kürzlich erschien in diesem bedeutenden Forum der Literatur Dr. Vomhofes "Kritik der ästhetischen Harmonie in Drosteknüllsdoch Lyrik". Vomhofe, sonst durchaus ernstzunehmen als Rezensentin, überschlug sich dort in einem Taumel kaum nachzuvollziehender Interpretationen larvengleicher Sätze. [...] [VH, Desl, 11.09.2002] Bevor wir uns darüber auslassen wollen, welchen jammervollen Weg die deutsche Literaturkritik eingeschlagen hat, und welche negativen Konsequenzen sich daraus für die weitere lyrische Arbeit des jungen Jahrhunderts ergeben mögen, sollten wir uns jenem Werk zuwenden, welches Drosteknüllsdoch nicht grundlos nur in einer mittelmäßigen Frauenzeitschrift veröffentlichen konnte, und welches Vomhofe darauf mit unerhörter Abwesenheit jeglichen guten Geschmacks besprach. Es handelt sich um das kaum als Gedicht zu bezeichnende "Tags auf eine Lichtung" [DK, B**d der F**u,10.09.2002]. Schon allein der Titel, den Vomhofe in ihrer Kritik wahrscheinlich nicht grundlos unbeachtet läßt, ist mehr als ein stilistisches Verbrechen. Zweifellos handelt es sich hier um die Verballhornung des Klassikers deutscher Lyrik, Kapellers "Trags in reine Dichtung" [HK, GW25]. Das jedoch, was Kapeller in so ästhetische Bilder faßt, in denen jedes die kausale Bestätigung seiner selbst ist, [...] [HK, ebd.]), verwandelt Drosteknüllsdoch in einen Moloch fäkaler Perversion. Die erste Zeile bestätigt die unerträgliche Vorahnung, die der Titel entstehen ließ. Drosteknüllsdoch hebt an: "Liegst du auf einer Lichtung brach," Bei aller kritischen Zurückhaltung: Hier bricht nicht nur das lyrische Du. Soviele geniale Vordenker hatten Drosteknüllsdoch einen elfenbeingleichen Weg geebnet, den die unbegabte Texterin nun mit Elefantenschritten durchstampft. Man denke an Rilkes "tust du auf einer Lichtung liegen, tut sich dein Rücken schmerzhaft biegen" oder Goethes "Nichts Besseres brach ich mir an Sonn- und Feiertagen, als meinen Imbiß auf der Lichtung liegend aus." Hier geschieht vor aller Augen ein Verbrechen an dem Erbe deutscher Kultur! Bemerkt es Vomhofe? Weit gefehlt! Sie nennt diesen Wortfrevel "Sinnbild für die Hoffnung." Doch es kommt noch schlimmer. Drosteknüllsdoch fährt fort: "Denk' nur nicht über Dichtung nach!" Ein Vorsatz, den man sich gern zu Herzen nähme, wäre die traurige Realität nicht zu enervierend. Aber in gewisser Weise kann man Dorsteknüllsdoch hier recht geben, denn schwerlich läßt sich dieses daniedergeröchelte Buchstabengehäuf als Dichtung benennen.
"Die Wolken tummeln sich im Licht"
Welch grober Schnitzer wäre das in einem Gedicht eines mittelmäßigen Autors.Bei Drosteknüllsdoch ist es wahrhaftig die einzige etwas erträgliche Zeile. Vomhofe nimmt es heraus zu behaupten: Hier bedient sich Drosteknüllssdoch eines Kunstgriffs, der in Fachkriesen als umstritten gilt,
Der kleine Wort-Fehler in Vomhofes Essay läßt sich überlesen, ihre inhaltliche Aussage nicht. Mag die Krise im Fach noch so groß sein, niemals ließen sich andere Wissenschaftler der Branche dazu herab, Drosteknüllsdoch Unfähigkeit als Kunstgriff zu kaschieren.
"Und schummeln sich in dein Gedicht. Gar grausig wird's, man sieht es hier; Da wird der Vers zum Ungetier."
Mag man Drosteknüllsdoch eines zugestehen, so daß sie konsequent inhaltlich wie formal auf gleich niedrigem Niveau bleibt. Unerträglich wird das Lesen, noch unerträglicher ein Kommentieren dieser Zeilen. Deshalb ein "Hutab" für Vomhofe, die ihre Besprechung wohl in ordentlicher Verblendung, aber wenigstens bis zum Ende führte. Eine Folter, der ich mich [...] nicht mehr ausliefere.
Stefan Krüger (desl, 12.09.02) [zu den Drosteknüllsdoch-Werken] | |